18. Olympus Hamburg Marathon - Reiner_Doepke_2017

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18. Olympus Marathon Hamburg
 
25.04.2003 - Das Rennen

Punkt 09:00h setzten sich 16.300 Läufer bei regnerischem Wetter und Temperaturen so um die 10 °C langsam in Bewegung.
Bis ich die Startlinie überquerte, waren schon 3:27 Minuten ins Land gegangen, aber dann lief es doch flott und ohne Behinderungen. Ich lief schneller als ich eigentlich wollte, aber immer so, wie ich es mir und meinem Körper zutrauen konnte. Wider Erwarten habe ich mich nicht von dem Tempo anderer Mitläufer anstecken lassen. Start zum Hamburg Marathon 2003Die ersten 10 KM durch St. Pauli, über die Reeperbahn und über die Elbchaussee am Hafen entlang liefen super. Der Puls war mit knapp 153 Schlägen p. Minute im grünen Bereich. Nach 7,5 KM habe ich das erste Mal ein wenig Wasser getrunken.
 
Zwischen KM 10 und 15 passierten wir die Landungsbrücken. Hier war die Stimmung der Zuschauer von allen am besten. Tausende standen an den Straßenrändern und feuerten uns an. Spitze!
 
 
Streckenplan
 
 
Dann fing irgendwann erst der hintere Muskel im linken Knie an sich zu melden, anschließend deutete ein leichtes Stechen unter der rechten Fußsohle auf eine entstehende Blase hin. Naja, das war erst einmal mit Vorsicht zu ignorieren. Schließlich lag ich zu diesem Zeitpunkt schon gute 6 Minuten vor meinem Zeitplan.
Wir umkreisten die Binnenalster, liefen ein Stück weit an der Außenalster vorbei, wo uns ein übel kalter Wind in Empfang nahm. Ab KM 20 ging es die nächsten 15 KM durch Uhlenhorst, Barmbek, City Nord, Alsterdorf und Ohlsdorf wo trotz der kühlen und regnerischen Witterung auch häufig gute Stimmung zwischen den Zuschauern war. Als ich KM 27 passierte, war der Sieger Julio Rey aus Spanien, gerade mit neuem Streckenrekord im Ziel angekommen...

       
 
Der Puls stieg langsam aber stetig und offenbar unaufhaltsam an. Bei 162 Schlägen/Min. lag er jetzt. Ich versuchte ruhig zu atmen, trank an jeder zweiten Wasserstelle ein wenig. Ein Stückchen Banane und eine Portion Gel aß ich im guten Glauben an Besserung.
Allmählich begann meine persönliche Grenze näher zu kommen. Im Training war ich einmal 33 KM (allerdings langsamer) gelaufen und danach ziemlich getaumelt. Die Vorstellung, dass jetzt die Kräfte nachlassen könnten, raubte mir auf den kommenden 10 KM doch die Motivation!

Ich lag bei KM 35 zwar gut 9 Minuten vor meinem Zeitplan, war mir später aber sicher, dass ich die 3:30 Std nicht erreichen würde. Es ging für mich jetzt nur noch ums Durchkommen, den inneren Schweinehund ein letztes Mal besiegen und um die eigene Ehre. Ich wollte mir später nicht im Spiegel in die Augen sehen und mir sagen: “du hast aufgegeben, die ganze Quälerei war umsonst”

Puls 170.

Alleine diese Gedanken haben die Beine in Bewegung gehalten. Ich wurde nun wieder häufiger überholt, ich selbst überholte wiederum andere, einige gaben jetzt, kurz vor dem Ziel noch auf.
 
Die Zuschauer und deren Anfeuerungen habe ich kaum noch mitbekommen, gelegentlich die Hände der am Straßenrand stehenden Kinder abgeklatscht, das Lachen in ihren Augen zur eigenen Motivation genutzt. Ich versuchte die Schmerzen der Anstrengung und in den Knochen zu verdrängen, konzentrierte mich nur noch auf die eine Bewegung.

KM 40 habe ich nicht gesehen, bin nur noch von Kurve zu Kurve gelaufen und gehofft, endlich die Ziellinie zu sehen. Die Zuschauer wurden wieder mehr und lauter, feuerten uns alle mit einem unheimlichen Krach an und dann kam Sie - die Ziellinie.

 


Drüber laufen. Motor aus. Fertig. Nichts geht mehr. Zielzeit: 03:23:41h. Puls 172.


 
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