Grösster Disponent aller Zeiten - Reiner_Doepke_2017

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Job
Die Geschichte vom GröDisPaZ
(oder: Die Jagd nach dem schnöden Mammon)

Eines Tages war es soweit: Bereits 1981 habe ich beschlossen, dem schnöden Mammon hinterher zu jagen.
Dank Schroeder's tatkräftiger Unterstützung war ich nun in der glücklichen Lage, die Schule verlassen und mit der Ausbildung beginnen zu können. Aber was war am gescheitesten? Geld sollte dabei rumkommen und vor allem sollte die Arbeit Spaß machen. Schließlich war ich erst 17 Jahre alt und hatte zumindest 48 Arbeitsjahre vor mir.
Ich folgte also dem wohlgemeinten Rat meiner Eltern (die streiten das heute vehement ab) und wurde Speditionskaufmann. Möbelschlepper, wie meine Kumpels damals sagten, die sich noch einige laue Jahre auf dem Gymnasium und später auf der UNI machten.

Am ersten August 1981 begann ich die Ausbildung bei der schon damals legendären NELKE Spedition, nachdem ich den Eignungstest auf wundersame Weise wohl doch bestanden hatte. Wundersam deswegen, weil ich steif und fest behauptet hatte, dass 1000 KG Blei schwerer sind als 1000 KG Federn...
Vielleicht war auch einfach nur Mitleid der Grund dafür.

Zunächst ließ sich alles ganz locker an. Spaß hat es jede Menge gemacht, vor allem auch nach Feierabend, beim Feierabend-Bier im legendären (alten) George V mit Archie, Achim und Scooter; beim Freibiertrinken in der hannoverschen Altstadt mit Scooter...


... oder auch bei der traditionellen Weihnachtsmarktbegehung mit den anderen Auszubildenden.












- 1982 -
Damals noch mit Minipli und von Frauen umgarnt










Nur mit dem Geld - das passte nicht. Die erste Abrechnung der "Ausbildungsbeihilfe" schlug mit DM 425,- zu Buche.
Damit war ich Nutznießer einer vorangegangenen Tariferhöhung, die meine Gage von den vereinbarten DM 405,- um 20,- DM hochschnellen ließ. Aus lauter Dankbarkeit konnte mich der örtliche ÖTV-Ortsverband alsbald für ein gutes Jahr sein Mitglied nennen.
Mein ohnehin arg gebeuteltes Girokonto (Nachfolger des bis heute unvergessenen "Jeans - Sparbuchs" der VoBa's), konnte diese Beträge kaum verkraften. Zumindest konnte ich nicht feststellen, dass die Kontoauszüge jemals eine andere Farbe als "Rot" hatten.

Meine erste Gehaltsabrechnung

Es kam also, wie es kommen musste: Nachdem ich eingehend Kontakt mit der Ware hatte, sprich: mein erstes Lehrgeld auf dem Lager verdiente, eine Erfahrung übrigens, die ich bis heute nicht missen möchte (Danke Frau LT), machte ich das, was alle Azubis mehr oder weniger häufig machten: Ablage. Und Kaffee kannenweise aus der Kantine schleppen. Kaffeemaschinen gab's damals so noch nicht. Das hat mich nachhaltig geprägt - heute bin ich ein medizinisch anerkannter und bekennender Kaffeejunkie.
Drei Jahre gingen schnell ins Land. Die Wochenenden fraßen die spärliche Ausbildungsbeihilfe auf. Wöchentliche exzessive Trinkgelage im hannöverschen HANNEN-FASS und PAULANER-KELLER trugen dazu bei, das sich alle Beteiligten noch heute bei jedem Treffen gerne an diese Zeit zurückerinnern und sich gegenseitig die Passagen erzählen, die das eine oder andere malträtierte Hirn schon damals gelöscht hat.

Seitdem bin ich also Speditionskaufmann aus Berufung. Von Gottes Gnaden, so zu sagen.
Nachdem ich mein Kaufmannspatent im Frühsommer 1984 in den Händen hielt, stellte ich mich noch einige Monate in den Dienst der NELKE-Spedition. Ich hatte sie inzwischen liebgewonnen, so sehr, dass es mir leid tat, als ich am 01.10.1984 für einen noch geringeren Sold in Munster anheuerte.

  



Hier avancierte ich dann schnell zum beliebtesten Panzerfahrer der Kaserne - Ich hatte Liegen im Panzer, eine funktionierende Standheizung und immer frisches Bier.

Bedürftigen etwas Gutes tun: HANSA-Pils - von meiner besorgten Mutter jede Woche gekauft. Ich konnte es an die Bedürftigen verschenken, die nicht ohne konnten. Ich selbst labte mich an kühlem Krombacher und Curry-Wurst und legte schnell locker 10 KG zu


Was HANSA Pils so alles verursacht...













 
"2" - Du Kiste!


 

15 Monate später: den tiefen Dank des Vaterlandes hatte ich ebenso in der Tasche wie die bescheinigte Gewissheit, einer "ziemlich gute" Führung an den Tag gelegt zu haben.
Ich war glücklich, bei NELKE wieder in die Arme der Familie genommen zu werden. Für zwei Jahre. Dann wurde der Job in der Abfertigung zu dröge und ich beschloss in die Exportabteilung zu wechseln. Ohne Erfolg.

Erst ein trotziger Abstecher von 6 Monaten zu Kühne & Nagel brachte die Wende.
Plötzlich war bei NELKE ein Arbeitsplatz im Export frei. Von nun an ging es nahezu kometenhaft aufwärts. Als Disponent für Finnland und Norwegen begann ich meine steile Karriere und beendete sie nach weiteren zwei Jahren als Gruppenleiter.

Dann folgte ich dem Ruf meines alten Freundes Michael Barkhausen ins westfälische Versmold, bekannt als der "Fettfleck Deutschlands", zur THERMOTRAFFIC.

Vorher allerdings wurde ich noch geheiratet.

Gesucht wurde ein Sammelgut - Disponent für temperaturgeführte Güter, besonders von und nach England, mit dem ich bis dahin auf Kriegsfuß stand. Das änderte sich schnell, und so kam es, dass ich schon nach kurzer Zeit der Herr über drei nagelneue Doppelstock-Kühlfahrzeuge wurde. Nach den Vorgaben der TTS gebaut. Ich will mich an dieser Stelle nicht darüber auslassen, wie viel (im wahrsten Sinne des Wortes) schlaflose Nächte mir diese Autos in den nächsten Jahren bereiteten. Irgendwas passte immer nicht, am häufigsten allerdings versagte die Technik. Aber auch hier hat es riesigen Spaß gemacht. Danke dafür, Michael.

Nach einigen Jahren stand ich dann plötzlich alleine da, ohne Michael. Fast alleine. Dieter war noch da und John. Klaus kam dazu und ging wieder. Mit John bildete ich das "Dreamteam des Kühlgewerbes". Wir waren unschlagbar und verstanden uns blind. Bis auch das zu Ende war. In den folgenden Jahren war ich nahezu die "Eierlegende Wollmilchsau" des Unternehmens.   Abteilungsleiter, Verkäufer, Lager-Hilfsarbeiter in Personalunion und auch EDV-mäßig nicht ganz unterbelichtet.

Als außerordentlich geschickt agierender Disponent für Komplett- und Sammelladungen habe ich mich dann selbst zum GroeDispaZ, zum "Größten Disponenten aller Zeiten" gekrönt - in aller Bescheidenheit natürlich. Wenn kein anderer drauf kommt...

Dann kam das schicksalsträchtige Jahr 1998. Wir, seit einigen Jahren bereits zu viert, beschlossen, dass Papa mehr Zeit für die Familie haben sollte. Das war bei Thermotraffic dann doch etwas schwierig, obwohl es wirklich großen Spaß gemacht hat. Also beschlossen wir, zurück in den Schoss der Familie zu kehren. Zurück nach Lehrte. Es stellte sich die Frage:

"Spedition - oder nicht Spedition?"

Spedition! - weil's Spaß macht.
NELKE oder NELKE HELLMANN hatten bereits begonnen, in Lehrte ein neues Distributionszentrum zu bauen. Was lag also näher, als den seit 1990 brachliegenden Kontakt wiederaufzunehmen und meine Dienste anzubieten. Es passte. Jetzt war ich also wieder da - zum dritten Mal als "Bumerang der NELKE-Spedition".

"Guten Tag, ich bin der Neue". Meine ersten Worte am 01. Oktober 1998 im Verkauf - " Du hast einen kapitalen Fehler gemacht" meine Gedanken auf dem Weg dorthin.
Als Außendienstmitarbeiter bereiste ich die Heide, mit dem nagelneuen Auto schrumpfte ich bereits nach 4 Tagen einen Golf auf Polo-Größe; als Innendienstleiter scheiterte ich mit dem Customer Service. Nach einem Jahr hatte ich noch einmal Glück. Im Export habe ich dann als einer von zwei Abteilungsleitern meine Zelte aufgeschlagen. Endlich wieder Kontakt mit dem Ausland und der Disposition. Eben als GroeDispaZ. Dachte ich...      

The Show must go on - And the Show went on. Ich kam zu dem Schluss, dass die Idee mit dem Schoss der Familie einfach völlig daneben war. Im Laufe der Zeit verlor ich vollkommen den Spaß an der Arbeit, die mir immer Freude bereitet hatte und mir die Motivation für den nächsten Tag schon fast zwangsläufig gab.

Um eines klar und deutlich zu sagen: Ich halte große Stücke auf die “HELLMÄNNER” - nur sind wir beide nicht für einander geschaffen.
Erneut stellte ich mir die oben genannte Frage und beantwortete sie wieder gleichlautend. Allerdings mit der Einschränkung, wieder international und vor allem in einer Kühlspedition arbeiten zu wollen. Um ganz sicher zu sein, bewarb ich mich bei einigen Industrieunternehmen, die mir durch die Bank aber nicht zusagten. Also entschloss ich mich, mich "blind" zu bewerben. Bei allem was Rang und Namen hat - immer für den Raum Hannover. Sehr wohl wissend, dass es in und um Hannover kaum Lebensmittelindustrie gibt, erst recht keine internationalen Geschäfte in diesem Marktsegment. Recht schnell bekam ich Post von FRIGOSTAR und KRAFTVERKEHR NAGEL.  Während Frigostar noch etwas länger brauchte, um mich in Hannover unterzubringen und ich zum 5. Mal (fünf!  ;-)) nicht mit DACHSER zusammenkam, war ich schnell bei KVN zum ersten Gespräch. Meine Abneigung gegen den großen Koloss in Versmold machte ich direkt deutlich. Ich befürchtete bei der Größe des Unternehmens vom Regen in die Traufe zu kommen.  Dennoch gelang es dem Niederlassungsleiter, mich von der Notwendigkeit zu überzeugen, erneut nach Versmold zu kommen   ;-)

Nun kam das schwerste Stück Arbeit: wie überzeuge ich die Familie, nach weniger als zwei Jahren schon wieder umzuziehen?
Ganz einfach: - Ich ekle die Nachmieter aus "unserem" Haus in Bad Laer und erreiche so, dass wir direkt wieder einziehen können. Das klappt - wetten?

Tatsächlich: Die Möbel passten wie angegossen und auch die Tapeten hätten wir locker weiterbenutzen können, wenn die Nach-/Vormieter nicht so furchtbar gequarzt hätten. Die meisten Bohrlöcher und Nägel waren noch vorhanden, so dass unmittelbar nach der Schlüsselübergabe das Gefühl aufkam, wir wären nur in einem Urlaub gewesen (wenn nur die Kosten nicht gewesen wären).

Nachdem die ersten 3, fast 4 Monate ins Land gegangen waren, konnte ich sagen, dass ich in den letzten 2 Jahren nicht annähernd so viel Spaß und Freude an der Arbeit hatte, wie zu dem Zeitpunkt. Hier war ich wieder in meinem Element. Ich kannte das Geschäft, die Kunden, die Waren, hier hatte ich meine Verbindungen und Kenntnisse - auch wenn mir zwei Jahre fehlten. Ich hoffte also zutiefst, dass das auch mein Arbeitgeber so sah, verbunden mit dem Ziel endlich wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen - auch wenn eines dann nicht mehr realisierbar war: Ein geregelter und früher Feierabend.
Noch einmal kam es anderes als gedacht. Die Probezeit ist für beide da. Und da beide nicht 100-%-ig zufrieden waren, habe ich meinen Schreibtisch wieder ausgeräumt und die Uhr endgültig um 2 Jahre und 3 Monate zurückgestellt.

Jetzt bin ich wieder richtig Zuhause. Bei Thermotraffic. Als GroeDis......  ;-)
01.01.2001

 
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